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Wildbad-Explorer

 Wildbad

Wappen BW



III.
 Die Entwicklung zum "Neuen Wildbad

Erste Ansätze bereits im 18. Jahrhundert feststellbar

Unter Herzog Karl Eugen (1742-1793) erlebte "das Wildbad" eine Zeit, die ihre Spuren bis heute hinterlassen hat Nach dem sechsten Stadtbrand (7. 7, 1742) wurde Oberbaudirektor von Leger mit dem Neuaufbau von Wildbad nach einem neuen Stadtplan (ohne Mauern, mit Vorstädten und einschließlich Straubenberg sowie mit gerader Hauptstraße und rechtwinkligem Kurplatz) betraut. Es ist der Beginn eines" Neuen Wildbads", (1742-1748). Herzog Carl, ein eifriger Wildbad-Gast, stiftete darüber hinaus an der Enz eine Kastanienallee, die dann zum Ausbau der Kuranlagen führte (1746-1776). 1769 lernte der Herzog Franziska von Hohenheim hier kennen; weitere Verbesserungen im Staatsbad und in den Kuranlagen folgten.

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Wehranlage in der Nähe der heutigen Bismarckinsel
im Bildhintergrund die Häuserzeile der König-Karl-Straße

Die Französische Revolution unterbrach zwar unsanft die Entwicklung Wildbads, doch schon mit dem Übergang in die Napoleonische Zeit setzte sie sich 1797198 unter Herzog Friedrich II -ab 1806 König - fort. Von 1798-1799 wird am Kurplatz im Sinne des Ausbaus eines Kurzentrums das nachmalige Kgl. Palais erstellt. Wildbad selbst wird ab 1806 " Königliches Bad Wildbad". Die ersten Badeärzte waren Dr. Teuffel, Dr, Härlin, Dr. Justius Kerner und Dr. Fricker (1814-1854). Unter ihnen wurden um 1820 auch die Badgebäude zeitgemäß ausgebaut. Das allgemeine Urteil hieß damals": Die Badehäuser sind trefflich eingerichtet". Es war der große Ausbau des Bades um 1840, dem eine" Blütezeit" bis nach den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts in Wildbad folgte.

Die Weiterentwicklung des Staatsbades von 1624-1648 zum zeitgemäßen, repräsentativen Bad

ist gekennzeichnet durch Bau- und Bohrperioden (182411838). Das Kgl. Katharinenstift entstand 1825. 1837 erhält Prof. von Thouret den Auftrag zu einem "Neuentwurf für Wildbad". Der Ausbau (u.a. 1842 - Badhotel) erfolgt von 1840 bis 1847, Hotels entstehen, eine Apotheke wird 1848 eröffnet.

Blütezeit ab 1850

Wildbad hatte die Voraussetzungen für eine neue Blütezeit geschaffen (1850-1870). 1840 waren 1500 Gäste hier, 1850 zählte man in Wildbad 2700 Kurgäste und 1860 ca. 4 700. Dreimal weilte die Zarinmutter Alexandra Feodorowna hier (18561 185711860) und es gab jeweils große Besuche. Die Bezeichnung "Bad der Hohen und Höchsten Kreise " war für Wildbad geläufig geworden (u. a. waren 1863 auch Wilhelm 1. v. Preußen und Bismarck hier).

Der Theaterplatz als" Neues Kurzentrum " mit Musikpavillon in den Anlagen, die Englische Kirche sind u. a. Merkmale und Kennzeichen einer Blütezeit nach 1850. Auch im städtischen Bereich regt sich allerlei; 1854 "Herrenhülfe", 1856 Telegraphenstation (Besuch der Zarinmutter), 1862 König-Wilhelm-Brücke, 1868 wurde die Enztalbahn eröffnet.

Die Zeit von 1870 bis zur Jahrhundertwende

Diese Zeit ist gekennzeichnet durch weitere Bohrversuche und eine zweite Bauperiode (1870-1892), die das Neue Katharinenstift (1870), die erste Trink- und Wandelhalle (1879) und das König-Karlsbad (1882-1892) gebracht hat. Im Bereich der Stadt muß besonders der Bau der König-Karl-Straße (1881 eingeweiht) erwähnt werden, ebenso die Neue Enztalstraße (heute Kernerstraße).

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Alte Trinkhalle mit Enzpartie und "Quellenhof" im Bild-Hintergrund
( Abbruch 1959 )

Die gesamte Zeit stand im Zeichen tatkräftiger Männer, so des Königlichen Badearztes Theodor von Renz (1868-1892) und des langjährigen Stadtschultheißen Heinrich Baetzner (1878-1905). Unter Letzterem wurde u. a. auch ab 1882 die erste zeitgemäße" Technische Versorgung" der Stadt (Wasserleitung, Kanalisation, Gasbeleuchtung, ei. Strom usw.) eingeleitet.

 

Die Zeit nach 1900 (und noch kurz vor 1900) bis nach dem 2. Weltkrieg ist erneut eine große Bauzeit für das Staatsbad. Sie weist mit dem Bau der Bergbahn (1908) zum Sommerberg und der damit erfolgten Erschließung des Tannenhochwaldes eine Großtat auf. Dazu die Erweiterung der Kuranlagen (Schwanensee 1902), die Verbreiterung der gußeisernen Trinkhalle (1904), der Bau des Hallen-Schwimmbades an der Olgastraße (1906/07), die Schaffung des" Reservierten Kurgartens" und die Erweiterung der allgemeinen Kuranlagen zwischen 1924-1931 in südlicher Richtung.

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Kurplatz in Wildbad - eingerahmt von bedeutenden Hotels
der alten und neuen Geschichte des Heilbads

Eine weitere Großtat in der ersten Jahrhunderthälfte nach 1900 ist der 1933/34 erfolgte Bau der" Neuen Trink- und Wandelhalle " (Einweihung am 21. Juli 1934) mit Café-Terrassen und Restaurant. Die Stadt Wildbad zog unter Stadtschultheiß Carl Baetzner (1905-1933) tatkräftig mit (Stadtpostamt, Pionierweg zum Wildsee, Turnhalle, Bergbahn- AG, zweites E-Werk, Gründung des Kurvereins). Der Ausbau des Wegenetzes auf dem Sommerberg öffnete vollends das zweite, wertvolle "Wildbad auf dem Sommerberg", wobei 1909 durch die Familie Bätzner/Wentz das Sommerberghotel auf dem Berg geradezu als neues Signal nach dem Bau der Bergbahn wirkte.

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Pioniertat privaten Unternehmertums:
(Aktiengesellschaft Bergbahn Wildbad)

Der Bau der
Bergbahn

 

Erste" Generation " der Bergbahn-Wagen
der im Jahre 1908 eingeweihten Sommerbergbahn


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und des Sommerberghotels1909  (unter Karl Bätzner und Emil Wentz)
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1914 Ausbau des Hotel Bellevue zum Quellenhof

1922 wird von der Stadt das "Hotel zum Löwen"
          erworben und zum neuen Rathaus umgebaut.

1929 ein neues größeres Postamt wird erbaut

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1932, die "Keplerwarte" -  Sternwarte (1961)
wird nach Gründung eines Johannes
"KeplerVerein" unter Dr. Paul Rossnagel,
dem  Leiter der Sternwarte, auf dem Sommerberg erbaut.

 

1954 eine neues
Stationsgebäude der Bergbahn
auf dem Sommerberg.

1955 wird von Ludwig Halter das "Halter`sche Haus" erbaut.

1963 wurde es zum
"Halter Institut"
ausgebaut.

Keplerwarte - Sternwarte


Ein wichtiges Ereignis noch vor dem 2. Weltkrieg war die Umstellung der Staatlichen Badverwaltung zu einem einheitlichen Amt und die Übernahme des Amtes als Kurdirektor und Vorstand der Staatl. Badverwaltung durch Baurat, Otto Bach (1934-1957).
Mit seinem Namen verknüpft ist das Ziel des ganzjährigen Badebetriebes in Wildbad, der Plan zum Gesamtausbau des Kur- und Bäderbezirks u. a. mit dem Haus des Kurgastes und dem Bau des U- Bades (der Rohbau wurde schon 1938 erstellt ) als späteres Unterwasser-Behandlungsbad, nach
dem Muster von "Warm Springs" (USA).

Im 2. Weltkrieg wird Wildbad Lazarettstadt, der Badebetrieb ging voll und der Kurbetrieb sehr eingeschränkt weiter.
1945 erhielt Wildbad eine französische Besatzung.
Die Staatliche Badverwaltung nahm aber bald über Kurdirektor Baurat Otto Bach die Arbeit wieder auf.



Das Neue Wildbad ab 1945 bis heute


beginnt 1949 mit der ersten Nachkriegs-Saison.
Das Halterinstitut für Physiotherapie wurde eingerichtet (Olgastraße, 1950 und Wildbad strebte die Fertigstellung des schon lange geplanten U- Bads an, das am 3. Mai 1952 eingeweiht wurde. Ein Teil, des Schwimmbads an der Olgastraße erhielt ebenfalls Thermalwasser. Die Besucher-Frequenzen Wildbads stiegen daraufhin in den Übernachtungen).
Dabei zog auch wieder die Stadt Wildbad mit, und zwar in dieser Zeit, von 1934-1956, unter Bürgermeister Paul Kießling.

Es läßt sich sagen, daß mit den Fünfziger Jahren eine neue bauliche und auch allgemeine Entwicklung eingesetzt hat, die für Stadt und Kurgemeinde Positives gebracht hat. Es war eine Zeit der großen Instandsetzungen, Renovierungen, Erweiterungen im Wohnbereich wie auch im Hotelbereich.
Die" Chirurgische Privatklinik Dr. Baetzner" wurde von Dr. Karl Baetzner eröffnet, ab 1967 im eigenen Neubau in der Olgastraße 39.
Eine große Leistung für seine Heimatstadt. Dr. Karl Baetzner ist der Sohn des bereits erwähnten Stadtschultheißen Carl Baetzner.

1956 kam es zum Beschluß des Finanzausschusses des Landes zum" Großen Ausbau des Staatsbades Wildbad", eine Aufgabe für Stadt und Staat zugleich, im Rahmen der "vierten Bau- und Bohrperiode"
(Beginn 1957).
Zwischen 1950 und heute entstanden Wohnsiedlungen (Eiberg/Hohenacker/Meistern) u. a. mehr. Im Kurbereich sind zu erwähnen: Das Schwestern- und Personalwohnheim, das Staatl. Rheumakrankenhaus (1964), der Neubau zur Militärkuranstalt (1968) und vor allem wurde 1965 das Neue Thermal-Bewegungsbad eingeweiht. (12. Juli 1965).
Das Sanatorium Dr. Sandmayr und das "Sanatorium am Kurgarten" sollten nicht vergessen werden.

Auf dem "Berg" wurde das "Neue Sommerberghotel" am 30. Mai 1963 eingeweiht. Bei all den neuen Projekten steht ganz vorne das Kurmittelhaus (Neues Eberhardsbad) voran, für das bereits 1967 die Geländevorarbeiten und Bodenuntersuchungen (im Steilgelände über den Thermen) begonnen hatten; ferner die Umgestaltungen im König-Karls-Bad, das "Haus des Gastes" geworden ist,
Einen großen Umbau mit Modernisierung erlebte auch das Badhotel (1982 / 1983).
So sind in Wildbad die Weichen für eine gute Weiterentwicklung von staatlicher Seite zum Teil bereits gestellt, nachdem auch das Kurtheater äußerlich aufgefrischt wurde und nunmehr der Kursaal zur Renovierung und Erweiterung unmittelbar heransteht (Herbst 1983).

Parallel zu all diesen Maßnahmen läuft städtischerseits die bereits durchgeplante Sanierung eines Teils der Innenstadt ( "Hotel Ochsen" und "Hotel Stern" ) und die wichtige Lösung des Verkehrsproblems für Wildbad. Nach dem bereits benützten Parkhaus am Thermalbad, wird derzeit das Parkhaus Stadtmitte zu Ende gebaut 1983 / 84.
Die Tunnelstraße soll dann spätere Lösungsmöglichkeiten für die innerstädtischen Verkehrsprobleme bringen. Eine gute Lösung der Verkehrsfragen ist ja sehr nötig, ja sogar lebensnotwendig für Wildbad, schon wegen der notwendigen Schaffung von Fußgängerzonen bzw. verkehrsberuhigten Zonen. Wildbad ist bekanntlichermaßen seit der Gemeindereform der 70 er Jahre Zentralort geworden - der Verkehr in der Innenstadt hat seither aus verschiedenen Gründen zugenommen.
Wildbad ist also heute vereint mit Calmbach, Sprollenhaus, Meistem, Hünerberg, Aichelberg. Es zählte als Gesamtstadt 1975 = 12 594 Einwohner, Wildbad allein hatte zuvor um 1950 = 5424 Einwohner in seinen Mauern.

Hoffen wir, daß die Stadt Wildbad und ihre Mitorte einer glücklichen Zukunft entgegengehen.

Der kurze Abriß der Geschichte Wildbads soll abgeschlossen werden mit den Worten des verstorbenen, verdienstvollen Kurdirektors Otto Bach:

In der Geradlinigkeit seines Werdeganges vom" Quell in Kluft und Busch " bis zum Wildbad von heute stellt dieses "Wildbad" den Paradefall eines "Geborenen Bades" dar, das sich dank der Heilkraft seiner Quellen" mitten im Schwarzwald" über alte Rückschläge weiter entwickelte und als " Württembergisches Staats- und Landesbad" ein Juwel des Landes geblieben ist.

 

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Nachdruck nicht erlaubt

Besonderer Dank für die Zusammenstellung dieser Jubiläumsschrift gebührt Werner Hellberg und Karl Kallfaß.

Bilder aus der Geschichte Wildbads stellten das Fotohaus von Schoenebeck und Papier Riexinger zur Verfügung.

Wildbad - Werbung von 1957

Zur Verfügung gestellt vom TSV Wildbad,   Matthias Riexinger

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FRITZ BARTH, HEIMATFORSCHUNG


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