Bad Wildbad im Schwarzwald - Bäderstrasse
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das Wappen der Fritze    75339 HÖFEN an der Enz in Schwarzwald

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Bad-Wildbad *  Bäderstrasse

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Dem „Sauerwasser“ auf den Grund gehen

Entlang der „Schwarzwald-Bäderstraße“: Von Köhlern, Kaisern und Kräutern

Früher – und das ist hier im nördlichen Schwarzwald gar nicht so lange her – früher, da hat sich niemand um den Köhler gekümmert. Es war so ein typischer Schwarzwaldberuf, genau wie der Schindelmacher, der Flößer oder der Harzer. Was außer Holz gab es schon in den abgelegenen Tälern und auf den einsamen Höhenzügen? Um seine Familie vom Verkauf der Holzkohle ernähren zu können, mußte der Köhler gut 120 Festmeter zusammentragen, aufschichten, den Meiler mit Erde bedecken und das Ganze dann zwei Wochen verschwelen lassen. Erst 1974 verlosch in Enzklösterle der letzte Kohlenmeiler.

Wo Kaiser und das Zarenpaar kurten

Heute läßt man es in dem Luftkurort im Oberen Enztal ab und zu wieder kokeln, der Tradition und der Besucher wegen. Aber ein bißchen scheint die Welt hier immer noch zu Ende. Ein paar Kilometer flußabwärts in Bad Wildbad ein ganz anderes Bild: Die Enz unter den hohen Bäumen des Kurparks, geschäftige Ladenzeilen, ein wenig Belle Epoque und Kriegsblinden-Sanatorium, über der Brücke der Badetempel des alten Eberhardsbades. Vor 100 Jahren kurten hier der Kaiser und das Zarenpaar, die Bismarcks und die Moltkes fuhren mit der neuen Bergbahn auf den Sommerberg, und Rossini lies sich in den maurischen Hallen des Fürstenbades inspirieren. Die Köhler und Harzer „ober“ im Wald sollten freilich noch lange unter sich bleiben.

Die Enztalbahn endet auch heute noch in Bad Wildbad, und die Nebenstraße weiter nach Enzklösterle schlängelt sich noch immer gemütlich durch die Flußauen. Es ist ein Stück der „Schwarzwald-Bäderstraße“, eine Momentaufnahme aus über 200 Kilometern Touristikroute. Mehr noch als ihr berühmtes Pendant, die „Schwarzwaldhochstraße“, zeigt die Straße mit der kleinen Badenixe im Etikett den nördlichen Schwarzwald mit all seinen Schattierungen, Gegensätzen und „Bonbons“.

Und das sind nicht nur die großen und kleinen Heilbäder, die wie Perlen an der Route aufgereiht sind. Auch die „Nester“ mit den Schindelhäusern „oben im Wald“ gehören dazu, natürlich die Wanderwege zu einsamen Hochmooren, Karseen und Sägemühlen, aber auch die schwäbischen Landstädtchen an der Nagold und die Schlote der Papierfabriken im Murgtal. Bäderstraße er-„fahren“, das heißt im Baden-Badener Casino dem großen Glück auf die Sprünge helfen oder in Igelsloch, Hühnerberg und Gompelscheuer dem nachspüren, was man hinter den Ortsnamen so vermutet...

Ausgangs- und Endpunkt der Route ist die „Goldstadt“ Pforzheim. Hier ist vor allem das Schmuckmuseum mit Schätzen aus zwei Jahrtausenden einen Besuch wert. Wer möglichst rasch der Natur des Schwarzwälder „Sauerwassers“ auf den Grund gehen will, kann nach einer halben Stunde Fahrt durchs Nagoldtal in die 30 Grad warme Therme von Bad Liebenzell eintauchen. Von der Liebenzeller „Sauna Pinea“ sagen Kenner, sie sei die schönste in ganz Süddeutschland.

Einen Nachmittagsspaziergang talaufwärts liegt Hirsau mit seiner malerischen Klosterruine. Schon um 830 legten die ersten Mönche in der einsamen „Hirschen Au“ den Grundstein zum Aureliuskloster, das im Hochmittelalter seinen Einfluß auf ganz Süddeutschland ausbreiten sollte.

Schwäbische Kleinstadt-Atmosphäre wie nirgends sonst entlang der Bäderstraße bekommt man in Calw geboten. Bis Ende des 18. Jahrhunderts wurde hier mit Stoff-, Salz- und Holzhandel so richtig Geld verdient. Als Zeugen dieser goldenen Zeiten sind die liebevoll herausgeputzten Fachwerkhäuser in der Altstadt geblieben (die schönsten stehen, wie zum Gruppenfoto aufgereiht, am Marktplatz).

Violette Krokuswiesen

„Klein aber fein“ trifft dagegen auf Bad Teinach-Zavelstein zu. Mitten im Wald, in einem windgeschützten Seitental der Nagold, schuf sichHerzog Eberhard Ludwig von Württemberg Mitte des 18. Jahrhunderts eine standesgemäße Sommerfrische mit Bad, Promenade und Stallungen. Auch hier hat man die alten Bauten frisch aufpoliert und mit einem schmucken Thermalbädchen ergänzt. Oben auf dem Berg lockt der Burgflecken Zavelstein (einst mit 600 Seelen die kleinste Stadt Europas) im März mit violetten Krokuswiesen. Auch das alte Silberbergwerk von Neubulach lohnt den Weg auf die Höhe.

Bevor sich die Bäderstraße aus dem Nagoldtal raus nach Freudenstadt windet, sind die mittlalterlichen Städtchen Altensteig und Berneck beinahe schon Pflichtprogramm. Die höchsten Tannen Deutschlands können bei Kälberbronn erwandert werden: „Holländertannen“ nennt man sie in Erinnerung an damals, als die Stämme in riesigen Flößen den Rhein runter bis Holland jongliert wurden, wo die längsten von ihnen als Masten für Segelschiffe Verwendung fanden.

In Freudenstadt, wo es sich windgeschützt unter Arkaden um Deutschlands größten Marktplatz bummeln läßt (Renaissance-Baumeister Heinrich Schickhardt ließ sich in Italien inspirieren), hat man die Wahl: entlang eines kleinen „Anhängsels“ zu den beiden Thermalbädern Bad Rippoldsau und Bad Peterstal fahren oder auf der klassischen Schwarzwaldhochstraße weiter in Richtung Baden-Baden.

Wald und Einsamkeit

Wer der Bäderstraße treu bleiben möchte, wird bald vom größten Waldgebiet Süddeutschlands „verschlungen“. Spätestens ab Besenfeld glaubt man sich statt auf der B 294 irgendwo an den Canada-Highway versetzt: Wald und Einsamkeit, ab und zu mal Gegenverkehr. Hier kann man tagelang durch den Wald streifen (am besten im Winter auf Skiern), um irgendwann an Deutschlands größtem Hochmoor, dem Wildsee bei Kaltenbronn, zu landen. Die Einfahrt nach Bad Wildbad gleicht einer Rückkehr in die Zivilisation...

Mit dem 700 Meter hoch gelegenen Dobel und der anschließenden Abfahrt nach Bad Herrenalb berührt die Bäderstraße zwei der insgesamt fünf Heilklimatischen Kurorte des Nordschwarzwalds (die anderen sind Freudenstadt, Schömberg und Bühlerhöhe). Schon bevor man in Herrenalb 1964 auf Thermalwasser stieß, hatte sich der Ort durch Molkekuren einen Namen gemacht. Den „Rohstoff“ hierzu lieferten die Ziegen und die kräftigen Kräuter aus dem nahen Gaistal.

In Bad Herrenalb gabelt sich die Bäderstraße: albtalabwärts, vorbei an der Klosterruine von Frauenalb und am herrlich unaufgeräumten Marxzeller Automuseum nach Waldbronn, ein ebenfalls recht junger Badeort, in dem man ein bißchen sportlicher als anderswo im Thermalwasser schwimmen darf. Von dort geht es über Straubenhardt und das alte Amtsstädtchen Neuenburg zurück zum Startpunkt Pforzheim.

Fährt man aber die Runde vollends aus, schaut vielleicht in Bad Rotenfels im Murgtal vorbei oder probiert hoch über Gernsbach, auf Schloß Eberstein, ein Glas badisches „Eberblut“ (übrigens der einzige Weinort an der Bäderstraße) - ja, dann führt der Weg unweigerlich nach Baden-Baden. Und hier, egal ob während der 16 wohldosierten römisch-irischen Badegänge im alten Friedrichsbad oder im Strömungskanal der postmodernen Caracalla-Therme - hier bleibt sie endlich stehen: die Zeit, um alle Eindrücke der Bäderstraße nochmal auf sich einplätschern zu lassen.

von Lothar Steimle

BAD WILDBAD HISTORY

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