Bad Wildbad im Schwarzwald - I P - Interessantes - Presse - Aktuell - Stern - November 2001
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Schwarzwald.
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Quelle: STERN | Ausgabe: 46 | Seite: 152
Autor: *RÜDIGER BARTH
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SO KANN DER WINTER KOMMEN
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Vergessen Sie Ihre heimische Wanne: Moderne Thermen machen aus Badegästen Weltenbummler. Der stern ist in den schönsten Wasser-Palästen Deutschlands abgetaucht.

Das Ogott-Ogott dieser Tage treibt weg wie ein Floß auf einem großen, klaren Tropenfluss. Nur fort mit euch, murmelt man den Sorgen noch hinterher. Will euch heute nicht mehr hören, lasst mich in Frieden. Bald sind die Füße wie Fellpantoffeln. Und dann spürt man nichts mehr als ein seidenes Wohligsein.

BADEN TUT GUT. Tuut guuut. Das Thermalwasser gibt dem Körper Auftrieb. Und der Seele auch. Man fühlt sich sehr, sehr leicht. Grübeln geht nicht an einem so charmanten Ort wie dem Palais Thermal in Wildbad. Laut sein geht zum Glück auch nicht. Man schleicht sachte auf Zehenspitzen, um die anderen nicht zu stören, nicht die heilige Ruhe dieses Ortes. Und vor allem nicht sich selbst.

Bad Wildbad wäre nicht viel mehr als ein verstaubter Kurort in einem engen Schwarzwaldtal, gäbe es nicht jenes Palais Thermal, diesen Badetempel aus königlichen Zeiten. Eine Kostbarkeit, die 1847 eröffnet und 1995 in alter Pracht wiederbelebt wurde. Ein Labyrinth aus Becken und Gängen, aus Fürstenwannen und Frauenbädern. Von irgendwoher erklingt plötzlich leises Gelächter. Oder sprudelt da nur die Fantasie?

An den Fenstern Jugendstil-Glasgemälde, an den Säulen maurische Ornamente, ein überladener Prunk, scharf an der Grenze zum Kitsch. Wer traut sich heute noch, einen Zweckbau mit so viel Pathos zu verzieren? Am Ende leuchtet es vollkommen ein, dass man nur so baden kann. Nur so. Die gute alte Zeit, denkt man, vielleicht war sie ja wirklich mal gut.

Dann legt man sich in das nächste Becken, die Arme ausgebreitet. Weigert sich, sich zu bewegen. Reimt, nur für sich, Wonne auf Wanne. Sieht, dass das Wasser spiegelglatt wird, wenn man einfach nur so dahängt, so schlapp und schlaff. So entspannt. Und findet, dass es eine gute Idee sein könnte, die Härchen auf den Zehenrücken zu zählen, wundert sich ein bisschen, dass da wirklich Härchen wachsen und dass ein so schönes Wort wie Zehenrücken im Grunde kein Mensch benutzt. Bei sieben hört man auf, ganz einfach, weil man die Lust verliert, und das ist alles, was in diesem Augenblick zählt. So geht das stundenlang. Die Zeit schlägt nicht wie sonst ihren Takt mit der Gewalt eines Galeerentrommlers. Hier fließt sie, samtig, geschmeidig. Taut so vor sich hin. Versickert in dieser Wasserwunderwelt.

Darf man das, in diesen Zeiten? Der kälter gewordenen Welt so schnöde den bloßen Rücken zudrehen und einfach untertauchen? Muss man sogar, um nicht verrückt zu werden. Sagen Psychologen. Und auch ein Fachmann wie der Badearzt Hieronymus Walch jun., der im Jahre 1667 notierte: Der Gast solle "sich mit schweren Gedancken/zu diser Zeit nicht beladen/sondern das Gemüth frey und Sorglos halten/und alle Traurigkeit aus dem Sinn schlagen".

FRÜHER, IM ALTEN ROM, bauten die Cäsaren luxuriöse Thermen für das Volk, der Eintritt war meist kostenlos. Dort traf man sich, trieb Sport, aß, las oder schwatzte, war froh, den dunklen, dumpfen und im Winter kalten Mietskasernen entflohen zu sein. Sklaven befeuerten unentwegt die Öfen, ein Röhrensystem leitete heißes Wasser und Dampf unter die Fußböden, deren Steinplatten mitunter so heiß waren, dass die Badegäste Holzschuhe überstreiften. Wellness auf Staatskosten hat Tradition.

33 Millionen Mark ließ das Land Baden-Württemberg in die Restaurierung des Wildbader Wasserpalastes fließen. Das Schöne daran: Jede Mark hat sich gelohnt. In Wiesbaden möbelte man jüngst die Kaiser-Friedrich-Therme für acht Millionen Mark auf. Anderswo sind Designer-Oasen entstanden, gegen deren Panoramafenster die Hektik des Lebens vergebens anbrandet. Deutschland, das klinisch starre Kurlaubsland, wird zum Wellness-Country. Auch wenn keiner weiß, wie man das Wort eigentlich übersetzen soll.


Bad Wildbad  -  Palais Thermal

Herrlich verspielter, nostalgischer Irrgarten aus Bädern, Wannen und Gängen,
mit sehenswerter maurischer Halle. Sehr intim. Moderne Sauna im Obergeschoss,
leider nur sehr kleine Dachterrasse.
07.11.2001

 

   

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